Herausforderungen und Problembewältigung
In diesem Kapitel werden verschiedene Herausforderungen während eines Austauschjahres behandelt. Dabei geht es um Heimweh und emotionale Belastungen, Schwierigkeiten in der Schule, Konflikte mit der Gastfamilie, sprachliche Herausforderungen sowie mögliche Unterstützungsangebote und Lösungsstrategien.
Heimweh und emotionale Belastungen
Vermissen von Familie und Freunden
Der Beginn des Austauschjahres kann für jeden anders sein, einige vermissen ihre Familie direkt, wobei alltägliche Situationen Erinnerungen an zu Hause auslösen können. Bei mir war dies anders, zu Beginn gab es so viel zu tun und Neues zu erleben, dass ich gar keine Zeit hatte, meine Familie und Freunde stark zu vermissen. Erst nach einer Weile, als ich mich an alles gewöhnt hatte, realisierte ich, dass ich auf der anderen Seite der Welt war. Die Tage, an denen ich etwas spürte, waren mein Geburtstag und Weihnachten, an denen alle zusammenkamen und feierten. Meine Familie schickte mir jedoch viele Bilder und backte einen Kuchen, was ich sehr schön fand.
Die Gefühle können während des Jahres unterschiedlich stark sein. Mit der Zeit wirst du neue Routinen entwickeln, dein Tag wird eine klare Struktur bekommen, dadurch wirst du dich ebenfalls sicherer fühlen.
Es ist ganz wichtig, dass du dich dann nicht in deinem Zimmer versteckst und nur noch mit deiner Familie und deinen Freunden telefonierst und schreibst. Du solltest deinen Fokus auf das Leben in den USA legen, falls du dich ablenken willst, solltest du dies auf andere Weise tun. Der Kontakt nach Hause ist sehr wichtig, sollte aber nicht dein grösster Fokus sein.
Umgang mit schwierigen Momenten
Suche das Gespräch mit deiner Gastfamilie oder Freunden. Personen, mit denen du dich nahe fühlst, können dir helfen, schwierige Situationen zu verarbeiten. Es ist ganz wichtig, dass du versuchst, dich abzulenken, Aktivitäten und neue Erlebnisse können dabei helfen, dich mehr auf das Austauschjahr zu fokussieren. Das Ziel ist nicht, deine Gefühle zu verdrängen, sondern sich mit ihnen auseinanderzusetzen.
Schwierigkeiten in der Schule
Neues Schulsystem
Der amerikanische Schulalltag kann sich deutlich von dem in der Schweiz unterscheiden. Neue Stundenpläne, Fächer und Unterrichtsformen können zunächst ungewohnt sein. Es braucht Zeit, bis du dich an die neuen Abläufe gewöhnt hast, dies passiert natürlich und automatisch, sodass du dir da keine grossen Sorgen machen musst.
Leistungsanforderungen
Auch wenn der Unterricht teilweise einfacher oder anders aufgebaut ist, können einzelne Fächer herausfordernd sein. Besonders Fachbegriffe können in einer Fremdsprache Schwierigkeiten bereiten. Denk aber daran, dass du immer Fragen stellen kannst, egal wie dumm sie in deinem Kopf klingen. Am Ende solltest du alles verstehen können und nicht wegen unnötiger Dinge wie diesen scheitern.
Soziale Integration
Es kann sein, dass du am Anfang nicht überall Freunde findest, dies ist völlig in Ordnung und war bei mir ebenfalls der Fall. Dabei kannst du dich etwas unwohl fühlen, aber auch da kommst du durch. Benutze das Mindset, das ich schon hundertmal gesagt habe und sagen werde: Sei offen, geh auf Leute zu, und mit der Zeit hast du auch in jeder Klasse ein paar Freunde.
Konflikte mit der Gastfamilie
Unterschiedliche Vorstellungen
Deine Gastfamilie und Austauschschüler*innen können unterschiedliche Vorstellungen vom Zusammenleben haben. Dies kann beispielsweise Regeln, Freizeit oder Verantwortlichkeiten betreffen. Solche Unterschiede müssen nicht automatisch zu einem Konflikt führen, jedoch sind solche Situationen nicht sehr wünschenswert. Bei mir gab es selten eine solche Situation, nach einem kurzen Gespräch konnten wir sie aber schnell klären, und sie wurde in Zukunft nicht mehr zum Problem.
Probleme ansprechen
Wenn etwas nicht funktioniert, sollte das Problem möglichst früh angesprochen werden. Schweigen kann dazu führen, dass sich kleine Probleme mit der Zeit verstärken. Ein ruhiges und ehrliches Gespräch kann helfen, die Situation zu klären.
Kompromisse finden
Beide Seiten sollten versuchen, die Sichtweise der anderen Person zu verstehen. Nicht jede Situation kann genau so gelöst werden, wie du es dir ursprünglich vorgestellt hast. Deshalb sind Kompromisse und gegenseitige Rücksichtnahme wichtig.
Sprachliche Herausforderungen
Unsicherheiten beim Sprechen
Zu Beginn war es sehr schwierig für mich, spontan und schnell auf Englisch zu antworten. Für mich waren Gespräche mit mehreren Personen am schwierigsten, ich wusste nicht genau, wo ich hinhören und wie ich mich ins Gespräch einbringen sollte. Du wirst immer wieder Sprachfehler machen, was völlig in Ordnung ist, da du dabei dazulernen kannst.
Missverständnisse
Eine Fremdsprache kann dazu führen, dass Aussagen falsch verstanden oder aufgenommen werden. Frage lieber nach, falls etwas unklar ist, da es sonst sein kann, dass du etwas komplett anderes machst, als von dir gewünscht. Neben der neuen Sprache kommen auch Redewendungen und Slang dazu, die das Verstehen noch einmal schwieriger machen.
Fortschritte während des Jahres
Du wirst täglich nur Englisch hören und reden, somit verbessert sich dein Sprachwissen kontinuierlich. Mit der Zeit wurde ich immer sicherer und musste weniger über einzelne Wörter nachdenken. Das ganze Reden wurde flüssiger und es machte mehr Spass, auch Witze und Ähnliches zu erzählen. Auch meine Gastfamilie konnte feststellen, dass sich mein Englisch mit der Zeit stark verbessert hatte.
Unterstützungsangebote und Lösungsstrategien
Zu den einzelnen Unterkapiteln gebe ich dir nun ausführliche Unterstützungsangebote sowie Lösungsstrategien, damit du auf allfällige Schwierigkeiten vorbereitet bist.
Heimweh
Du solltest den Kontakt nach Hause bewusst dosieren, ein regelmässiger Kontakt kann dir zwar helfen, zu viel Kontakt kann das Heimweh jedoch verstärken. Damit ich meine Familie und Freunde immer noch auf dem laufenden Stand halten konnte, habe ich regelmässig auf Instagram Beiträge geteilt.
Versuche, aktiv zu bleiben und Ablenkung zu suchen. Unternehmungen mit Freunden, Sport, Hobbys und Schulaktivitäten können verhindern, dass du zu viel über die Heimat nachdenkst.
Es ist ganz wichtig, dass du Struktur in deinen Tagesablauf bringst, es gibt dir Sicherheit und kann dir dabei helfen, dich schneller im neuen Alltag einzuleben.
Ebenfalls kann es dir helfen, Zeit mit deiner Gastfamilie zu verbringen, gemeinsame Aktivitäten können dir dabei helfen, Vertrauen aufzubauen, damit du dich stärker als Teil der Familie fühlen kannst.
Du solltest offen über deine Gefühle sprechen können, du solltest dein Heimweh nicht verstecken. Ein einfaches Gespräch mit deiner Gastfamilie, Freunden und dem lokalen Betreuer kann Wunder bewirken.
Du kannst deine eigene Tradition einbringen, koche ein Gericht aus der Schweiz, dabei kannst du dich wohler fühlen und deine Kultur in deinen Alltag einbringen.
Gib dir Zeit, Heimweh ist eine normale Reaktion auf die grosse Veränderung, die du in Angriff genommen hast, sie muss nicht sofort verschwinden.
Schulstress und Schwierigkeiten in der Schule
Es ist realistisch, dass du dich zu Beginn an die neue Schule, die Unterrichtssprache und möglicherweise auch die Lernmethoden gewöhnen musst. Mit der Zeit wird das aber automatisch kommen.
Wenn dich der Unterricht, die Sprache oder die Leistungsanforderungen überfordern, solltest du deine Lehrperson frühzeitig auf die Schwierigkeit aufmerksam machen.
Nimm Hilfe von deiner Gastfamilie an, sie kennt das Schulsystem besser und weiss oft, wie zu handeln ist.
Falls du weniger akademische Probleme hast, gibt es wie immer die Möglichkeit, deinen lokalen Betreuer zu kontaktieren, dieser ist für jegliche Probleme für dich da.
Bei Schwierigkeiten mit der Sprache gibt es diverse Sprachübungen, Nachhilfen oder Lerngruppen, die dir helfen können, dich wohler mit der Verwendung der Sprache zu fühlen.
Sprachliche und schulische Fortschritte kommen häufig erst nach einer gewissen Zeit. Lasse dich nicht von Schwierigkeiten entmutigen, mit der Zeit wirst du Komplimente für deinen Fortschritt bekommen, was alles einfacher macht.
Probleme mit der Gastfamilie
Sprich Probleme frühzeitig an, allfällige Konflikte sollten nicht über längere Zeit aufgestaut werden. Ein ruhiges Gespräch kann bereits viele Missverständnisse klären.
Mach deiner Gastfamilie keine grundlosen und unanständigen Vorwürfe, erkläre ihnen, wie du dich in verschiedenen Situationen fühlst oder diese erlebst. Die Ich-Botschaft ist hierbei sehr wichtig.
Stelle schon vieles von Anfang an klar, mit Fragen zum Tagesablauf, Haushalt, zu Ausgangszeiten und diversen anderen Regeln, damit erste Missverständnisse direkt verhindert werden können.
Zusammen solltet ihr Kompromisse finden, für beide Seiten ist das Zusammenleben ungewohnt, Rücksichtnahme und Toleranz sind hier extrem wichtig.
Vergleiche nicht alles mit deiner eigenen Familie oder anderen Gastfamilien. Jede Familie hat andere Gewohnheiten und Regeln, diese Unterschiede gehören zu einem Austausch dazu.
Bringe dich selbst aktiv in die Familie ein, hilf im Haushalt, unternehmt gemeinsame Aktivitäten oder zeige ihnen deine Interessen und Hobbys.
In einem weiteren Schritt kannst du auch Unterstützung bei deinem Betreuer suchen. Es gibt Situationen, da reicht ein Gespräch mit deiner Gastfamilie nicht mehr aus, ein Betreuer deiner Organisation steht dir immer zur Verfügung und kann dir bei jeglichen Problemen helfen.
Falls es ein grosses Problem ist, welches über eine längere Zeit anhält, muss die Organisation informiert werden. Diese ist für solche Momente ausgebildet und wird zusammen mit beiden Seiten eine Lösung finden.
Wenn die Probleme trotz der Unterstützung der Organisation nicht gelöst werden können, kannst du einen Wechsel fordern, welcher dann auch geprüft wird. Dir sollte aber bewusst sein, dass auch in der neuen Familie Anpassung notwendig sein kann.
Sprachliche Herausforderungen
Bevor du überhaupt ins Ausland gehst, ist es natürlich vorteilhaft, dass du gute Grundkenntnisse hast. Für die USA brauchst du Englisch, hier hast du die Grundkenntnisse bereits, jedoch können schulische Vokabeln sicher nicht schaden.
Am Anfang hatte ich grosse Angst, zu viele Fehler zu machen. Zerbrich dir nicht den Kopf, es ist ganz wichtig, dass du einfach redest, mit der Zeit beherrschst du die Sprache automatisch.
Du solltest so viel wie möglich in der Fremdsprache sprechen. Es kann sein, dass es andere Austauschschüler*innen gibt, die dieselbe Sprache sprechen wie du, achte auch hier darauf, dass du Englisch sprichst, denn nur so kannst du dich auch verbessern.
Integriere die Sprache auch sonst in deinen Alltag, schaue Filme und Serien auf Englisch, lies ein Buch oder höre deine Musik auf Englisch, all diese Faktoren können dir helfen, deine neue Sprache zusätzlich zu verbessern.
Ich versuchte oft, neue Wörter, die ich gelernt hatte, selber zu verwenden, dies half mir, sie mir zu merken und meinen Wortschatz zu vergrössern.
Lasse dich vollständig auf dein Umfeld ein, je mehr Zeit du mit deiner Gastfamilie oder Freunden verbringst, desto mehr Chancen hast du, die Sprache praktisch anzuwenden.
Lerne nicht nur die Grammatik, was du am ehesten verbessern wirst, ist neue Redewendungen zu lernen, wie du Wörter ohne Akzent aussprichst und wie du Englisch in der alltäglichen Umgangssprache verwendest.
Wichtig für dich ist zu wissen, dass dies viel Zeit braucht. Gerade am Anfang kann es schwierig und überfordernd sein, nur Englisch zu hören und zu sprechen, je mehr du aber in diesem Umfeld bist, desto mehr Spass macht es, deine neuen Erkenntnisse zu verwenden.