Gastfamilie

Die Gastfamilie als zentraler Bestandteil des Austauschjahres

Eine der wichtigsten Erfahrungen meines Austauschjahres war das Leben in meiner amerikanischen Gastfamilie, da sie für ein Jahr mein neues Zuhause und ein wichtiger Teil meines Alltags wurde. In diesem Kapitel stelle ich dir meine Gastfamilie vor und zeige dir, welche Rolle sie im Leben von Austauschschüler*innen spielt sowie welche Erwartungen beide Seiten haben könnten. Zu jedem Punkt nenne ich ebenfalls meine persönliche Erfahrung zur besseren Veranschaulichung. 

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Während meines Austauschjahres lebte ich bei einer amerikanischen Gastfamilie in Chesterfield in Virginia. Meine Gastfamilie bestand aus meinen beiden Gasteltern Katie und Paul und zwei jüngeren Gastbrüdern, Damon und Gavin. Ebenfalls hatten sie zwei Hunde namens Zelda und Loki. Loki war ein junger, energiegeladener Hund, wobei Zelda eine alte Dame war, die nur kuscheln und an ihrem Platz liegen wollte. Im Verlauf des Jahres nahmen wir ebenfalls zwei Hamster und einen Fisch auf, diese lebten jedoch nur für eine kurze Zeit im Haus. 

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Ich lebte für ungefähr zehn Monate bei ihnen, wobei ich mein eigenes Zimmer hatte, das Bad jedoch mit meinen Gastbrüdern teilen musste. Das Schlafzimmer hatte eine perfekte Grösse, neben dem Bett hatte ich einen grossen Schrank, zwei Kommoden und einen Schreibtisch. Ich war im zweiten Stock und konnte die ganze Strasse von meinem Zimmer aus sehen. 

Ich hatte sehr viel Glück bei der Zuteilung meiner Gastfamilie und meines Zimmers, dies ist nicht immer der Fall. Eine Gastfamilie muss nicht unbedingt eine traditionelle Familie sein, es könnte eine einzelne Person sein, die vielleicht auch viel älter ist. Es gibt auch gleichgeschlechtliche Familien oder Paare, insgesamt also eine grosse Diversität an Optionen. Ein eigenes Zimmer ist ebenfalls nicht garantiert, jedoch sehr oft der Fall. 

Warum wollte meine Gastfamilie einen Austauschschüler aufnehmen? 

Jemanden aus dem Ausland aufzunehmen war schon seit mehreren Jahren ein Thema, da sie ihren eigenen Kindern andere Kulturen und Perspektiven näherbringen wollten. Meine Gastmutter kommt aus England, somit war sie mit anderen Kulturen bereits in Kontakt. Bereits vor 2020 bestand Interesse, dieses Vorhaben wurde aber wegen Covid verschoben. 

Wie hat sich meine Gastfamilie für mich entschieden? 

In der Nachbarschaft wurde ein Flyer verteilt, auf dem stand, dass zwei Austauschschüler*innen ein Zuhause suchen. Einer davon war ich, und das Interesse stieg bei ihnen wieder. Dazu kam, dass ihre Kinder in der Schule Deutsch lernen und ich ein älterer Junge war, der die Sprache konnte, also in ihren Augen ein perfekter Kandidat. Sie meldeten sich bei der Organisation und unternahmen alle nötigen Schritte, damit sie mich als Austauschschüler aufnehmen konnten. 

Rolle und Bedeutung der Gastfamilie 

Die Gastfamilie spielt während eines Austauschjahres eine zentrale Rolle, da sie Austauschschüler*innen ein neues Zuhause und einen direkten Einblick in ihren amerikanischen Alltag bietet. 

Gastfamilie als neues Zuhause 

Deine Gastfamilie bietet dir während deines Austauschjahres nicht nur eine Unterkunft, sondern ein neues Zuhause, in dem du dich ausleben kannst. Sie geben dir in einer fremden Umgebung Sicherheit und Orientierung. Deine Gastfamilie hilft dir dabei, dich langsam an das neue Umfeld zu gewöhnen. Meiner Gastfamilie war es sehr wichtig, dass ich mich bei ihnen sofort wohlfühlte, weshalb meine Gastfamilie schnell zu einem wichtigen Teil meines Alltags wurde. 

Unterstützung und Verantwortung 

Deine Gastfamilie übernimmt während des Austauschjahres eine grosse Verantwortung. Sie unterstützen dich bei verschiedensten Dingen im Alltag. Regeln und Erwartungen sollten möglichst früh miteinander besprochen werden, gleichzeitig muss sie dir aber auch genügend Freiheiten geben. Mögliche Dinge, die ihr besprechen solltet, sind Hausarbeiten, Ausgangszeiten und Transportmöglichkeiten. Später kommt hierzu noch mehr. 

Meine Gastfamilie musste für mich ebenfalls eine Balance zwischen meiner Freiheit und ihrer Verantwortung finden. Da ich nicht ihr leibliches Kind war und sie noch keinen Teenager hatten, mussten sie selbst noch etwas damit experimentieren. 

Kultureller Austausch 

Der kulturelle Austausch findet vor allem im täglichen Zusammenleben statt. Dank meiner Gastfamilie konnte ich die amerikanische Lebensweise aus erster Hand erleben. Gleichzeitig konnte ich meiner Gastfamilie etwas über die Schweiz und meine eigene Kultur zeigen. Dazu kochten wir Schweizer Essen, ich brachte ihnen etwas von der Sprache bei, und sie lernten Schweizer Gewohnheiten und Lebensweisen kennen. Besonders beim Essen erkannten sie Unterschiede, der grösste war, dass wir weniger Zucker verwenden und etwas weniger Aroma haben. Ich konnte ein grosses Interesse für die Schweiz in ihnen wecken, das sie so überzeugt hat, dass sie mich möglichst bald auch besuchen wollen. 

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Integration in die Familie 

Von Anfang an sahen sie mich als Familienmitglied und behandelten mich auch so. Für sie war es wichtig, dass ich mich nicht als Gast sah, sondern mich bei ihnen einleben konnte. Die Teilnahme am Familienalltag erleichtert diese Integration. Gemeinsame Aktivitäten und Erlebnisse können diese Beziehung stärken, weshalb wir oft Spiele spielten oder etwas essen gingen. Ich wurde bei allen Familienausflügen und Ferien einbezogen. Für sie war es auch wichtig, dass ich nichts selbst separat zahlen musste, da sie fanden, dass ich mich sonst gar nicht als Familienmitglied sehen könnte. Für meine Gastgeschwister nahm ich auch die Rolle als älterer Bruder und Vorbild ein. 

Persönliche Entwicklung 

Das Leben in einer neuen Familie kann deine persönliche Entwicklung fördern, da du aus deiner Komfortzone herauskommen musst. Besonders die Sprache kann sich durch den täglichen Kontakt stark verbessern, schau also, dass du dich genug mit ihnen unterhältst. Du lernst, dich auch in ungewohnten Situationen zurechtzufinden. Laut meiner Gastfamilie lernte ich im Laufe des Jahres auch, meine eigene Meinung stärker zu vertreten, da ich am Anfang allem zugestimmt hatte. 

Beziehung über das Austauschjahr hinaus 

Die Beziehung zur Gastfamilie muss nicht mit dem Ende des Austauschjahres enden, ich stehe bis heute mit ihnen in Kontakt. In diesem Jahr entstehen so viele gemeinsame Erinnerungen und persönliche Verbindungen, dass du sie langfristig als zweite Familie sehen kannst. Meine Gastfamilie bezeichnet mich als neues Familienmitglied, ich bin immer willkommen und sie sind immer für mich da. 

Familienleben in den USA 

Alltag und Routinen 

Vieles zu diesem Thema habe ich bereits beantwortet, aber um es hier noch einmal aufzugreifen, nenne ich die wichtigsten Punkte. Du gehörst nun zur Familie, das heisst auch, dass du etwas zum Haushalt beitragen musst. Ich bekam kleine Aufgaben, dabei achteten meine Gasteltern darauf, mir nichts zu geben, bei dem ich mich unwohl fühlen würde. Jeden dritten Tag musste ich den Geschirrspüler ausräumen und den Tisch vor dem Abendessen decken. Jedes Wochenende musste ich meine Kleider waschen, das Zimmer putzen, Duschtücher zusammenfalten und im Bad den Spiegel putzen. Wie du siehst, ist es nicht viel, jedoch trotzdem eine kleine Beschäftigung, damit zu sehen ist, dass ich ebenfalls zur Familie gehöre. 

Zusammenleben mit den Gastgeschwistern 

Für mich war dies ebenfalls eine neue Erfahrung, da ich noch nie jüngere Brüder hatte, sondern nur eine ältere Schwester. Das Verhältnis zwischen ihnen und mir war jedoch sehr gut, wir unternahmen regelmässig etwas nach der Schule, wie Football im Garten oder Videospiele im Wohnzimmer. Der ältere Bruder Damon kam ebenfalls hin und wieder mit mir ins Gym, wobei ich ihm einige Übungen zeigte. Über die Zeit wurde die Beziehung immer besser und persönlicher, bis wir uns alle wie echte Brüder behandelten. Natürlich war es etwas anders, da sie nicht in meinem Alter waren, es war jedoch eine Erfahrung, die ich als positiv empfand, ich konnte viel von dieser Zeit mitnehmen. 

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Gemeinsame Aktivitäten 

Laut meiner Gastfamilie wurden sie durch mich aktiver, verliessen öfters das Haus und unternahmen mehr. Wie bereits erwähnt, spielten wir Spiele aus der Schweiz, den USA und England, es war ebenfalls spannend zu sehen, wie viele verschiedene Regeln es für das gleiche Spiel geben kann. Meine Gastmutter war Lehrerin an der Nachbarsschule, zusammen gingen wir zu Karnevals, Footballspielen sowie Lacrossespielen, um unsere Unterstützung zu zeigen. Zusammen unternahmen wir auch extra spassige Aktivitäten wie Bowling, Arcade und Horror-Minigolf. 

Reisen 

Dieses Thema spreche ich nur kurz an, da ich es später noch im Detail beschreiben werde. Du wirst in deinem Austauschjahr auf verschiedene Reisen gehen, grosse sowie kleine. Die erste Reise, an die ich mich erinnern kann, führte uns zum Thomas-Jefferson-Haus. Er war einer der ersten Präsidenten der USA. Danach gingen wir ebenfalls Äpfel pflücken, aus denen wir später noch einen Kuchen backten. 

Auch sonst waren wir oft in Richmond und Umgebung unterwegs. Es gibt sehr viel Geschichte, die in dieser Region stattgefunden hat, diese so direkt zu erleben war sehr spannend. In Richmond gibt es Museen, Parks und eine schöne Einkaufsstrasse, an der du einige Dinge finden kannst. Der Park, den wir besuchten, wurde der Stadt gespendet und wird nun für Tiere und die Natur geschützt. 

Essen in einer amerikanischen Familie 

Wir hatten unsere bestimmten Gerichte, die es immer wieder gab: Burger, Pizza, Tacos und vieles mehr. Etwa zweimal in der Woche haben wir etwas bestellt oder sind in ein Restaurant gegangen. Hier zu empfehlen sind Texas Roadhouse, Chili’s, Yamatos und Longhorn. 

Typisch amerikanisch sind natürlich Ribs, Burger, BBQ und Hotdogs. Das mexikanische Essen ist dort ebenfalls sehr gut, mehrheitlich sind es private Restaurants, was die Qualität oft besser macht. Für die einzelnen Feiertage gibt es ebenfalls bestimmte Gerichte, dazu komme ich später. 

Ich brachte meiner Familie verschiedene Süssigkeiten und Getränke mit, wie Schokolade, Basler Läckerli, Ragusa und Rivella. Das meiste kam sehr gut an, wobei sie direkt merkten, dass weniger Zucker enthalten ist. An verschiedensten Abenden habe ich ebenfalls für sie gekocht und gebacken, sehr gut angekommen sind Rösti, Riz Casimir und Zürcher Geschnetzeltes. Beim Dessert kannst du auch nicht viel falsch machen, wobei sie es nicht gewohnt sind, Kuchen ohne Zuckerguss zu essen. 

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Abschied 

Auch wenn du ein super Jahr erleben wirst, geht es irgendwann zu Ende. Gegen Ende würde ich dir raten, noch einmal mit jedem Zeit zu verbringen und sie zu geniessen, denn du weisst nicht, wann du diese Personen das nächste Mal siehst. Der Abschied wird dir etwas wehtun, aber du wirst dich daran gewöhnen, wenn du an die schöne Zeit denkst, die ihr zusammen verbringen konntet. So wirst du es überstehen.

Kommunikation und Erwartungen 

Offene Kommunikation 

Eine offene Kommunikation ist für das Zusammenleben besonders wichtig. Wichtig ist, dass ihr beide, du und deine Gastfamilie, ehrlich über eure Wünsche und Probleme sprecht. Allfällige Missverständnisse können somit frühzeitig verhindert werden. Auch wenn es schwerfallen kann, solltest du auch über unangenehme Themen sprechen können. Meine Gastfamilie legte sehr grossen Wert darauf, wodurch wir keine Probleme hatten. 

Regeln und Erwartungen 

Zu Beginn des Austauschjahres solltet ihr die wichtigsten Regeln miteinander besprechen. Klare Erwartungen geben beiden Seiten Struktur und Orientierung. Hier findest du, wie oben angekündigt, eine ausgearbeitete Liste von Fragen, die du bei deiner Ankunft stellen kannst. 

  • What are my household chores in your home?
  • When do I have to do what?
  • What and how can I help in the kitchen, in the garden, with walking or feeding the family pet, or with shopping?
  • Do I wash my own clothes? If yes, could you please explain the washing machine to me?
  • If the host parents wash the clothes: Where would you like me to collect the laundry?
  • Do I do my own ironing? If yes, is there a special day you would like me to do it?
  • If the host parents do the ironing: Where do I pick up my ironed clothes?
  • When do you expect me to be in for dinner? How can I reach you in case I am late one day?
  • Would you like me to do the cooking occasionally?
  • When can I take a shower? In the evening or in the morning? Preferably at what time? Are there any rules about the use of the bathroom?
  • Where do I do my homework?
  • Is there a special day you would like me to clean my room?
  • Where do you want me to leave my shoes and jackets?
  • Do you have a timetable for when and how long the computer/internet may be used?
  • What are your rules about TV/consuming media (including social media)?
  • What is the time in the evening you would like lights to be turned off? Weekdays / weekends?
  • What are the rules for me (and my host sisters and brothers) about meeting friends? Am I allowed to take a friend home occasionally? If yes, what are the conditions?
  • What is my curfew when I go out and meet friends?
  • What are your rules about going to church?
  • How do you normally spend your weekends?
  • Are there any family rules in general that I should know and follow?
  • What are all the birthdays of the host family members?

Diese Regeln können sich im Verlauf des Jahres weiterentwickeln und lockern, bei mir war dies auch der Fall. Sie kamen ebenfalls schon früh auf mich zu, um allfällige Fragen oder Unklarheiten zu klären, damit sie später kein Problem darstellen. 

Sprachliche Verständigung 

Da Englisch nicht meine Muttersprache war, kam es anfangs häufiger zu Unsicherheiten und eventuell auch Missverständnissen. Diese konnten jedoch geklärt werden, mit der Zeit wurde mein Englisch auch besser, was dazu führte, dass die Verständigung immer einfacher wurde. 

Freiheiten und Verantwortung 

Deine Gastfamilie trägt eine hohe Verantwortung, meine dachten auch immer an meine Eltern und überlegten, ob sie ebenfalls damit einverstanden wären. Es ist wichtig, dass du als Austauschschüler*in immer noch deine Freiheiten hast. Da mich meine Gasteltern vorher nicht kannten, nicht wussten, wie es in der Schweiz abläuft, und noch nie einen Sohn in diesem Alter hatten, versuchten sie, eine gute Balance zwischen Freiheit und Verantwortung zu finden. Ich sollte die Möglichkeit haben, selbständig zu sein, aber mit dem Wissen, dass ich immer auf ihre Unterstützung zählen konnte.