Geschichte

Die Geschichte hinter dem amerikanischen Alltag

Viele Unterschiede zwischen dem Alltag in den USA und der Schweiz sind nicht einfach zufällig entstanden. Einige Dinge, die während eines Austauschjahres auffallen und die USA besonders machen, haben sich über viele Jahre oder sogar Jahrhunderte entwickelt. Deshalb möchte ich hier genauer darauf eingehen, woher diese Unterschiede kommen und wie sie heute noch im Alltag zu spüren sind.

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Waffen und Waffenkultur

Woher kommt das?

Die Waffenkultur gibt es in den USA nicht erst seit gestern, sie hat eine lange Geschichte, die bis zur Entstehung der USA zurückreicht. Bereits während der Kolonialzeit waren Waffen ein normaler Bestandteil des Lebens. Sie wurden unter anderem für die Jagd, zum Schutz von Vieh und zur Verteidigung in verschiedenen Konflikten eingesetzt. Dadurch verbanden die Leute die Waffe schon früh mit dem Schutz der eigenen Person und des eigenen Besitzes.

Eine besonders zentrale Rolle spielt das Second Amendment, das 1791 als Teil der Bill of Rights in die amerikanische Verfassung aufgenommen wurde. Das Second Amendment besagt: „Da eine gut regulierte Miliz für die Sicherheit eines freien Staates notwendig ist, darf das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht verletzt werden.“ Die Entstehung dieses Zusatzes hängt mit der Erfahrung der Amerikaner*innen während der Revolution und dem Misstrauen gegenüber einer zu mächtigen Regierung zusammen. Die Gegner*innen der neuen Verfassung befürchteten, dass eine starke zentrale Regierung zu viel Macht bekommen könnte. Hier sollte der Waffenbesitz einen Schutz darstellen, um die Freiheit der Bevölkerung zu sichern.

Im 19. Jahrhundert kam dann ein weiteres Bild rund um die Waffen auf. Durch die Ausbreitung nach Westen entstanden Geschichten über Jäger, Cowboys und Revolverhelden. Solche Figuren fanden sich in verschiedensten Büchern, Zeitungen, Comics und später auch Filmen, die das Bild des bewaffneten, unabhängigen Amerikaners prägten. Ab diesem Moment wurden Waffen nicht mehr nur als Werkzeug gesehen, sondern immer mehr auch als Symbol für Freiheit, Stärke, Selbstverteidigung und Unabhängigkeit.

Nebenbei trug auch die Waffenindustrie zu dieser Entwicklung bei. Durch die Industrialisierung konnten Waffen in grösserer Menge zu tieferen Preisen produziert werden, was sich auch im Verkaufspreis widerspiegelte. Dazu kommt, dass Hersteller wie Samuel Colt Werbung und Geschichten über den Wilden Westen nutzten, um Waffen immer mehr in den Alltag der Amerikaner*innen zu bringen. Dieser Gedanke wurde später durch Westernfilme, Serien und andere Medien weiter verbreitet.

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Wie ist das heute spürbar?

Waffen werden im gesellschaftlichen und politischen Alltag in den USA deutlich häufiger besprochen als hier in der Schweiz. Dabei sollte das Thema jedoch nicht verallgemeinert werden, da die Einstellung zu Waffen stark von der Region, der Familie und der persönlichen Meinung abhängt.

Während meines Austauschjahres konnte ich die amerikanische Waffenkultur an verschiedenen Dingen erkennen. Dazu gehörten Gespräche über Waffen und Waffengesetze, aber auch Jagd und Schiessen als Freizeitaktivitäten. Ausserdem gibt es Geschäfte, in denen Waffen verkauft werden, und Diskussionen über das Second Amendment, das das Recht auf Waffenbesitz schützt. Auch die Sicherheitsvorkehrungen an Schulen zeigen, welche Rolle das Thema Waffen in den USA spielt.

Die USA als Autoland

Woher kommt das?

Die grosse Bedeutung des Autos in den USA hat sich vor allem im 20. Jahrhundert entwickelt. Obwohl das moderne Auto ursprünglich in Europa entwickelt wurde, spielten die USA bei der Weiterentwicklung und Verbreitung eine wichtige Rolle. Ein Grund dafür ist die Grösse des Landes. Zwischen vielen Städten und Ortschaften liegen grosse Distanzen, weshalb das Auto schon früh eine praktische Möglichkeit war, um von einem Ort zum anderen zu gelangen.

Ein wichtiger Schritt war die Massenproduktion durch Henry Ford. Durch sein Model T, das 1908 erschien, und die Einführung von Fliessbändern wurde die Herstellung von Autos deutlich günstiger. Dadurch konnten sich immer mehr Amerikaner*innen ein eigenes Auto leisten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Bedeutung des Autos noch einmal um einiges zu. Viele Familien zogen in neue Wohngebiete ausserhalb der Städte, die sogenannten Suburbs, ich selber lebte ebenfalls in einer. Da nun Häuser, Arbeitsplätze und Einkaufsmöglichkeiten oft weit voneinander entfernt lagen, wurde das Auto für den Alltag immer wichtiger. Dazu kommt, dass der öffentliche Verkehr in vielen dieser Gegenden nicht gross ausgebaut wurde.

Ein weiterer wichtiger Schritt war der Ausbau des amerikanischen Autobahnsystems. Präsident Dwight D. Eisenhower unterzeichnete 1956 den Federal-Aid Highway Act, der den Ausbau des Interstate Highway System antrieb. Die Autobahnen erleichterten den Transport von Menschen und Waren über grosse Distanzen. Mit der Zeit entstand eine Gesellschaft, in der sehr viele Menschen in ihrem Alltag stark auf ein Auto angewiesen sind.

Daraus entstand ein Kreislauf: Immer mehr Menschen besassen ein Auto, weshalb neue Strassen gebaut und Wohngebiete für Autofahrer geplant wurden. Dadurch wurden viele Wege länger und der öffentliche Verkehr ausserhalb der Städte weniger wichtig. Das Auto wurde somit immer notwendiger und entwickelte sich zu einem festen Bestandteil des amerikanischen Alltags.

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Wie ist das heute spürbar?

Als Austauschschüler*in kannst du dies beispielsweise daran erkennen, dass Wege, die in der Schweiz kurz sind, in den USA eine Autofahrt von 20–30 Minuten bedeuten können. Viele Jugendliche sind auf ihre Eltern oder ein eigenes Auto angewiesen, um zur Schule, zu Freunden oder zu Freizeitaktivitäten zu gelangen. Grosse Parkplätze gehören zum normalen Stadtbild und Drive-Thrus sind weit verbreitet. Ausserhalb grosser Städte gibt es deutlich weniger Möglichkeiten, mit dem Zug, Bus oder zu Fuss unterwegs zu sein. Auch Einkaufszentren und Supermärkte sind häufig so gelegen, dass sie am einfachsten mit dem Auto erreichbar sind.

Einwanderung und kulturelle Vielfalt

Woher kommt das?

Die Einwanderung in die USA begann bereits vor der offiziellen Gründung des Landes. Im 16. und 17. Jahrhundert kamen diverse europäische Nationen wie England, Spanien und Frankreich nach Amerika, um ihre Siedlungen und Kolonien zu gründen. Dabei dürfen wir aber nicht die amerikanischen Ureinwohner*innen vergessen, die bereits seit Tausenden von Jahren auf dem Kontinent lebten. Durch die europäische Besiedlung wurden die Gebiete und Lebensweisen der Ureinwohner*innen stark beeinträchtigt.

Ein ausschlaggebender Grund für die Einwanderung war die Hoffnung auf ein besseres Leben. Viele Menschen verliessen ihre Heimat wegen Armut, politischen Problemen oder religiöser Verfolgung. Dazu gehörten Menschen aus Deutschland, Italien und Irland. Ellis Island in New York war dabei eine wichtige Anlaufstelle für Einwanderer*innen. Zwischen 1892 und 1954 wurden dort mehr als zwölf Millionen Menschen aufgenommen. Später führte auch der Goldrausch dazu, dass Menschen aus aller Welt in die USA zogen.

Zwischen 1880 und 1924 gab es noch einmal grosse Einwanderungswellen in die USA. Durch die Industrialisierung entstanden neue Arbeitsmöglichkeiten, wodurch die USA für viele Menschen noch attraktiver wurden. Um der Einwanderung entgegenzuwirken, wurden in den Jahren 1921 bis 1924 die Einwanderungsquoten durch die Regierung begrenzt. Nur noch eine begrenzte Anzahl Menschen aus bestimmten Nationen konnte einreisen.

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Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderten sich die Einwanderungsquellen ein weiteres Mal. Seit dem Jahr 1946 benötigten Einwander*innen eine Greencard, um dauerhaft in den USA zu leben. Durch die verschiedenen Einwanderungswellen entwickelte sich die amerikanische Gesellschaft über mehrere Jahrhunderte hinweg zu einer Gesellschaft, die von verschiedenen Kulturen beeinflusst wurde.

Wie ist das heute spürbar?

Die Einwanderungsgeschichte ist bis heute im amerikanischen Alltag sichtbar. In vielen Städten leben Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen. Dies zeigt sich beispielsweise in der Sprache, beim Essen, bei Feiertagen und bei verschiedenen Traditionen. In einigen Stadtteilen gibt es Restaurants und Geschäfte, die stark von bestimmten Ländern oder Kulturen geprägt sind.

Auch an den Schulen treffen Schüler*innen aus unterschiedlichen Hintergründen aufeinander. Verschiedene Sprachen, Religionen und Familientraditionen werden dadurch zu einem Teil des Schultags. Auch traditionell nicht amerikanische Feiertage wie Cinco de Mayo oder das chinesische Neujahr werden in manchen Gemeinden ebenfalls gefeiert.

Rassentrennung und ihre Auswirkung

Woher kommt das?

Die Geschichte der Rassentrennung in den USA ist eng mit der Sklaverei verbunden. Über viele Jahrzehnte wurden Millionen von Menschen aus Afrika versklavt und zur Arbeit gezwungen. Im Jahr 1865, nach dem Ende des amerikanischen Bürgerkriegs, wurde die Sklaverei abgeschafft. Während der Reconstruction, die von 1865 bis 1877 stattfand, wurden Verfassungsänderungen eingeführt, welche die Staatsbürgerschaft, den gleichen Schutz vor dem Gesetz und das Wahlrecht für afroamerikanische Männer stärken sollten.

Obwohl grosse Fortschritte erzielt wurden, wurden einige Rechte für afroamerikanische Menschen in den nächsten Jahrzehnten erneut eingeschränkt. Die Südstaaten führten sogenannte Jim-Crow-Gesetze ein, welche die Rassentrennung vorschrieben. Schwarze und weisse Menschen durften nicht die gleichen Schulen oder andere öffentliche Bereiche nutzen. Das Wahlrecht wurde ebenfalls durch verschiedene Vorschriften eingeschränkt. Es herrschte die Vorstellung, dass Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe unterschiedlich behandelt werden sollten.

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Im 20. Jahrhundert kämpften immer mehr Menschen gegen diese Ungleichheit an. Dies wurde als Bürgerrechtsbewegung bezeichnet, die sich für gleiche Rechte einsetzte und gegen die Rassentrennung war. Ein grosser Erfolg wurde 1964 erzielt, als der Civil Rights Act unterschrieben wurde. Dieses Gesetz verbot Diskriminierung unter anderem aufgrund der Hautfarbe und der Herkunft und stärkte die Gleichberechtigung beim Zugang zu öffentlichen Einrichtungen und am Arbeitsplatz. Damit wurde eine Grundlage gegen die Rassentrennung geschaffen, jedoch verschwanden dadurch nicht automatisch alle Vorurteile und gesellschaftlichen Ungleichheiten.

Wie ist das heute spürbar?

Die Auswirkungen der Rassentrennung sind bis heute in der amerikanischen Gesellschaft zu erkennen. Dies zeigt sich beispielsweise bei den Bildungschancen, den Wohngebieten und den wirtschaftlichen Möglichkeiten. In einigen Städten leben Menschen mit unterschiedlicher Hautfarbe noch immer häufig in getrennten Wohnvierteln.

Rassismus sowie Vorurteile sind bis heute ein Thema. Noch immer kommt es zu Diskriminierung und rassistisch motivierter Gewalt. Die Bewegung Black Lives Matter, welche im Jahr 2020 sehr bekannt wurde, setzt sich gegen Rassismus und gegen die Benachteiligung schwarzer Menschen ein.

Als Austauschschüler*in erlebst du diese Auswirkungen nicht direkt im Alltag. Trotzdem kannst du Themen dazu in Gesprächen, im Unterricht oder in den Nachrichten mitbekommen. Falls du Geschichte als Fach hast, wirst du noch viel dazu im Detail lernen.

Patriotismus und Nationalstolz

Woher kommt das?

Der Patriotismus in den USA entstand mit der Gründung des Landes und dem Unabhängigkeitskrieg gegen Grossbritannien. Am 4. Juli 1776 erklärten die amerikanischen Kolonien ihre Unabhängigkeit. Dieser Schritt ist ein Bestandteil der amerikanischen Identität. Dieser Tag von Freiheit und einem gemeinsamen Land spielt bis heute eine wichtige Rolle.

Die amerikanische Flagge entwickelte sich im Laufe der Zeit ebenfalls zu einem bedeutenden Symbol. Zu Beginn wurde sie als Kennzeichnung von Schiffen und Festungen verwendet, erst ab dem Krieg von 1812 wurde sie mit Patriotismus, Mut und Zusammenhalt verbunden. Die Flagge soll auch als Zeichen für die Werte und Ideale der USA stehen.

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Bei wichtigen Ereignissen in der Geschichte wurde dieser Patriotismus besonders sichtbar. Ein Beispiel dafür sind die Terroranschläge vom 11. September 2001. In dieser Zeit wurde die amerikanische Flagge für viele Menschen zu einem Symbol der Einheit und des Zusammenhalts. Jedoch gibt es unterschiedliche Vorstellungen davon, was es bedeutet, Amerikaner*in zu sein, da sich nicht jeder gleich von der amerikanischen Gesellschaft akzeptiert fühlt.

Wie ist das heute spürbar?

Der Patriotismus ist im amerikanischen Alltag an vielen Orten sichtbar. Die amerikanische Flagge hängt häufig vor Häusern, Schulen und öffentlichen Gebäuden. Auch bei Sportveranstaltungen wird die Nationalhymne oft vor dem Beginn gespielt. An amerikanischen Schulen gehört zudem der «Pledge of Allegiance», ein Treueschwur auf die Flagge und die Vereinigten Staaten, zum Alltag.

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Besonders deutlich wird der Nationalstolz am 4. Juli, dem Independence Day. An diesem Feiertag feiern viele Amerikaner die Unabhängigkeit ihres Landes mit Feuerwerken, Grillfesten und Veranstaltungen. Auch an Feiertagen wie dem Memorial Day und dem Veterans Day wird an die Soldaten und ihre Rolle in der Geschichte der USA erinnert.

Religion und ihre Bedeutung im Alltag

Woher kommt das?

Religion hat in den USA bereits seit der Entstehung des Landes eine wichtige Rolle gespielt. Einige der ersten europäischen Siedler kamen in die USA, weil sie dort ihre Religion frei ausüben wollten. Im Ersten Verfassungszusatz der US-Verfassung wurde die Religionsfreiheit festgehalten. Dadurch wurden die USA zu einem Land, in dem verschiedene Religionen nebeneinander existieren konnten.

Obwohl der Protestantismus die grösste religiöse Gruppe bildete, entstand eine grosse Vielfalt an Religionen, da es ebenfalls viele Einwander*innen mit jüdischem, muslimischem, buddhistischem sowie hinduistischem Glauben gab.

Religion ist in den USA nicht nur eine persönliche Angelegenheit, sondern kann auch im gesellschaftlichen und politischen Leben eine Rolle spielen. Obwohl Kirche und Staat getrennt sind, haben religiöse Überzeugungen besonders bei politischen und gesellschaftlichen Diskussionen Einfluss. Die grosse Anzahl an verschiedenen Kirchen und Glaubensrichtungen zeigt, wie vielfältig die religiöse Landschaft in den USA ist.

Wie ist das heute spürbar?

Als Austauschschüler*in kann die Bedeutung der Religion an verschiedenen Stellen im Alltag auffallen. Kirchen und andere Gotteshäuser sind in vielen Gemeinden ein wichtiger Teil des sozialen Lebens. Gottesdienste können dabei auch als Treffpunkt für die Gemeinschaft dienen. Nach dem Gottesdienst bleiben viele Menschen noch zusammen und tauschen sich aus.

Auch im persönlichen Umfeld kann Religion eine grössere Rolle spielen als in der Schweiz. Je nach Gastfamilie können beispielsweise Gottesdienste, Gebete oder religiöse Feiertage zum Alltag gehören. Gleichzeitig gibt es grosse Unterschiede zwischen einzelnen Familien und Regionen, da in den USA viele verschiedene Religionen vertreten sind.

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Wie stark du als Austauschschüler*in dieses Thema zu spüren bekommst, hängt von deinem Umfeld, hauptsächlich aber von deiner Gastfamilie ab. Meine Gastfamilie war nicht gläubig, die Schwester meiner Gastmutter jedoch schon. Sie gingen oft in die Kirche und beteten vor dem Essen. Jede Erfahrung ist einzigartig und sollte nicht mit einer anderen verglichen werden.