Alltag als Austauschschüler*in
Wenn man an ein Austauschjahr denkt, stellt man sich vielleicht zuerst besondere Erlebnisse, Reisen und neue Erfahrungen vor. Doch natürlich war nicht jeder Tag etwas Aussergewöhnliches. Auch während meines Austauschjahres hatte ich einen ganz normalen Alltag mit Schule, Hausaufgaben, Freunden, Freizeit und Zeit mit meiner Gastfamilie. In diesem Kapitel möchte ich deshalb meinen alltäglichen Tagesablauf aus meiner persönlichen Sicht zeigen und einen Einblick in das normale Leben als Austauschschüler*in geben.
Ein typischer Wochentag
Damit du dir ein Bild machen kannst, wie ein Grossteil deiner Austauschzeit aussieht, stelle ich dir nun vor, wie ein typischer Wochentag bei mir aussah. Dies ist natürlich nur ein Beispiel. Im Internet gibt es viele verschiedene Videos, in denen Austauschschüler*innen ihren Alltag anhand ihrer Erfahrungen teilen.
7:00 Uhr Morgen
Da meine Schule erst um 8:30 Uhr startete, konnte ich den Tag immer ruhig beginnen. Meine Morgenroutine war ziemlich ähnlich wie in der Schweiz: zuerst duschen und mich fertig machen. Danach hatte ich mein normales Frühstück aus Joghurt und Früchten mit Orangensaft. Ich war der Einzige im Haus, da meine Gasteltern und Gastbrüder bereits zur Arbeit und in die Schule gefahren waren. Hier kann es sein, dass du auch dein Mittagessen vorbereitest, ich habe mein Essen aber in der Schule gekauft und das nie gemacht. Falls ich noch nicht losmusste, verbrachte ich noch etwas Zeit mit den zwei Hunden, die wir hatten.
8:00 Uhr Schulweg
Die Schule begann zwar erst um 8:30 Uhr, der gelbe Schulbus kam jedoch bereits um acht Uhr. Dieser war ca. drei Minuten zu Fuss entfernt. Ich hatte viele Nachbar*innen in meinem Alter, somit hatte ich immer jemanden, mit dem ich zum Bus laufen konnte. Die Busfahrt kann variieren, meine dauerte nur ca. fünfzehn Minuten, da ich der letzte Stopp war, je nach Region kann deine Fahrt aber auch über 30 Minuten dauern. Im Bus unterhältst du dich mit Freunden oder geniesst die Fahrt, wie ich es am Anfang gemacht habe.
8:30 Uhr Schulbeginn
Wenn du in der Schule ankommst, kann es sehr hektisch sein, da es viele Busse gibt, aber auch viele mit dem Auto kommen. Bis zum Unterrichtsbeginn hast du Zeit, zu machen, was du willst. Ich lief meistens mit Freunden herum oder sass in der Mensa, bis es Zeit war, in den Unterricht zu gehen.
Nicht in allen Staaten, aber in Virginia, wurden neue Handyregeln eingeführt: Während der Unterrichtszeit, also den ganzen Tag über, darfst du dein Handy nicht benutzen. An einigen Schulen gibt es sogar Pouches, in die du dein Handy einschliessen musst.
Um den Tag offiziell zu starten, beginnt man mit dem Pledge of Allegiance, bei dem man aufstehen und sich der amerikanischen Flagge zuwenden muss. Danach folgt ein „Moment of Silence”, anschliessend wirst du gebeten, dich zu setzen. Dann beginnt der normale Unterricht um kurz nach 8:30 Uhr.
8:30 Uhr 1. Unterrichtsstunde
In meiner ersten Stunde hatte ich Economics. Hier war der Unterricht im Vergleich zur Schweiz am ähnlichsten aufgebaut.
9:20 Uhr Study Hall
Speziell anders ist, dass es nach der ersten Lektion eine Study Hall gibt, bei mir „Titan Time” genannt. In dieser Zeit erledigte ich meistens Hausaufgaben, damit ich nach der Schule nichts mehr machen musste. Falls es mal gar nichts zu erledigen gab, unterhielt ich mich mit Freunden oder der Lehrperson.
10:00 Uhr 2. Unterrichtsstunde
An Even Days hatte ich Trigonometry (Mathematik). Hierbei gab es einen Theorieblock mit Eintrag in unser Dossier, danach Aufgaben, die wir im Unterricht lösten. Zum Ende gab es immer noch Hausaufgaben. Wenn man schnell genug war, konnte man diese bereits im Unterricht anfangen oder sogar abschliessen.
An Odd Days hatte ich Spanisch 1. In diesem Fach konnte man einen klaren Niveauunterschied im Unterricht erkennen. Man lernte nicht im gleichen Tempo, es gab viele einfache Aufgaben, und der Ehrgeiz war nicht bei jedem da, da alle vier Jahrgänge in einer Klasse sein konnten.
11:30 Uhr Lunch und 3. Unterrichtsstunde
Der dritte Block ist etwas anders aufgebaut als die anderen. Während der nächsten zwei Stunden haben jeweils einige Klassen für 25 Minuten ihren Mittag. Da es viel zu viele Schüler*innen hat, war dies die einfachste Variante.
An Even Days hatte ich direkt meinen Lunch. Ich sass an einem grossen Tisch mit vielen verschiedenen Freunden, von denen die meisten ebenfalls in meiner dritten Unterrichtsstunde waren: Physik.
Den Lunch kannst du entweder selbst mitbringen und aufwärmen, oder du kaufst ihn wie ich direkt in der Mensa. Diese Portionen sind nicht so gross, wie man es sich sonst in den USA gewohnt ist, jedoch ist der Preis von drei Dollar für einen Hauptgang, ein Getränk und einen Salat nicht zu schlagen. Natürlich gibt es auch Snacks, diese sind im Vergleich etwas teurer. Im Sommer konnte man auch draussen essen, jedoch war es im Süden oft viel zu heiss. Im Normalfall isst man in der Mensa an dem Tisch, an dem deine Gruppe sitzt, und das ist grundsätzlich der, an dem ihr das ganze Jahr sitzen werdet. Ebenfalls kannst du das Areal nicht verlassen, somit kannst du nicht wie hier noch schnell einen Döner holen.
An Odd Days hatte ich zuerst meine dritte Unterrichtsstunde, PE (also Sport), bevor ich meinen Lunch essen konnte. In diesem Lunch war mein Tisch weniger voll. Ich sass mit Leuten aus meiner PE-Klasse und einigen ihrer Freunde zusammen.
Physik ist ähnlich wie hier, somit gibt es nichts Spezielles zu erwähnen. In PE hingegen ist es gar nicht wie hier. Bevor man mit dem Unterricht offiziell startet, muss man fünfzehn Minuten im Kreis laufen, um sich aufzuwärmen. Danach gab es einige Lektionen, in denen alle etwas zusammen machen mussten, aber zum grössten Teil konnte man selbst entscheiden, was man machen möchte. Es gab keine Noten, man musste jedoch einmal einen kleinen Sporttest machen. Nach dem Sport hatte man genug Zeit, um sich umzuziehen, wobei es aber keine Duschen gab.
13:30 Uhr 4. Unterrichtsstunde
Danach folgte der vierte Block, der an Even Days Englisch war. Diese Klasse war am Anfang noch etwas schwerer, da das Englischniveau schon um einiges höher war als in der Schweiz, nach einer Zeit gewöhnt man sich jedoch daran. Man muss viel lesen und analysieren, was man hier weniger lernt.
An Odd Days hatte ich dann noch US History. Diese Klasse war sehr einfach, man musste einiges lesen und vor allem viel abschreiben. Als es drei Uhr war, war der Schultag offiziell vorbei.
Tipps für den Schultag
- Schau, dass du immer pünktlich bist: Der Schulbus fährt ohne dich los, falls du nicht rechtzeitig an der Haltestelle bist.
- Zwischen den verschiedenen Blöcken gibt es nur ca. fünf Minuten Pause. Wenn die Schule so gross ist wie meine, hat man nicht lange Zeit, um sich mit anderen zu unterhalten. Die Zeit wird sehr ernst genommen: Kommt man ein paar Sekunden zu spät, muss man zum Sekretariat.
- Erledige viele Hausaufgaben in deiner Study Hall, damit du zu Hause nichts machen musst.
- Viele Prüfungen sind Multiple Choice, mach dir also nicht zu viele Gedanken über Tests.
- Nimm an vielen verschiedenen Schulaktivitäten teil, auch wenn du dies in der Schweiz nicht machen würdest. Einen Nachmittag lang zu helfen, den Sportplatz zu putzen, klingt nicht super, du wirst aber merken, wie viele dort mithelfen und zusammen eine gute Zeit haben.
- Am Anfang kommt direkt sehr viel auf dich zu, schau, dass du nichts vernachlässigst: Schule, Sport, Freunde und Gastfamilie sollten miteinander vereinbar bleiben.
15:00 Uhr – 16:30 Uhr Sport und Clubs
Am Anfang des Jahres ging ich noch mit dem Bus nach Hause, da es noch nichts zu machen gab. In den folgenden Wochen starteten dann die Clubs und sportlichen Aktivitäten. Ich war in vier verschiedenen Clubs, somit hatte ich an mindestens vier Tagen pro Monat ein Meeting, nebenbei gab es noch Angebote, bei denen man mitmachen konnte. Hier musst du dir bewusst sein, dass es keine Schulbusse mehr gibt und du dir selbst eine “Ride” suchen musst.
Auch zu dieser Zeit, aber fast jeden Tag nach der Schule, fanden die Trainings jeglicher Sportarten statt. Ich selbst war kein Mitglied in einem Team, da das Niveau sehr hoch war. Damit ich trotzdem sportlich aktiv blieb, ging ich nach der Schule ins Gym, den YMCA. Ich kannte sehr viele andere Jugendliche dort, wobei wir zusammen trainierten oder uns sonst unterhielten. Nach diesem Training lief ich nach Hause oder unternahm direkt etwas mit Freunden, zum Beispiel gingen wir oft zu Chipotle, das in der Nähe war.
17:00 Uhr – 21:00 Uhr Familie, Freunde und Essen
Als ich zu Hause ankam, nahm ich mir einen kleinen Snack, da es bis zum Nachtessen noch eine Weile ging. Danach unternahm ich entweder etwas mit meinen Gastbrüdern, meinen Nachbar*innen oder sonst Freunden. Das reichte von Video-Games bis zu Aktivitäten in der Nachbarschaft oder in der Gegend. Wie lange das ging, unterschied sich von Tag zu Tag, manchmal sah der Abend komplett anders aus als hier beschrieben.
Nach einer Zeit kamen dann auch meine Gasteltern nach Hause. Dann gab es etwas zu essen. Ob wir etwas kochten, bestellten oder ins Restaurant gingen, hing vom Tag ab. Nach dem Essen schauten wir oft die Quizshow „Jeopardy”. Danach spielten wir ein Spiel, schauten ein Sportspiel oder unternahmen sonst etwas.
21:00 Uhr – 22:00 Uhr Hausaufgaben und Zeit mit Freunden
Diese Zeit war sehr oft unterschiedlich, manchmal hatte ich extra Hausaufgaben, die ich für die Schule erledigen musste, manchmal spielte ich noch ein Videospiel wie FIFA mit meinen Gastbrüdern. Falls ich mit Freunden etwas unternahm, war ich normalerweise um diese Zeit wieder zu Hause.
22:00 Uhr – 23:00 Uhr Tagesabschluss
Zu dieser Zeit legte ich alles bereit, was ich für den nächsten Tag brauchte. Nicht zu vergessen ist das Laden der Chromebooks, da deren Akkus nicht die besten sind. Danach machte ich mich bettfertig und schaute noch eine Serie, bis ich schliesslich schlafen ging.
Wie bereits erwähnt, lief nicht jeder Tag so ab, und auch dein Tag wird nicht genau so ablaufen. Dies ist nur ein normaler Tag, um dir zu zeigen, dass nicht jeder Tag speziell ist, an dem man etwas Neues erlebt. Nach einer Zeit hast du dich an alles gewöhnt, und dein Leben wird wieder etwas „normaler”.
Es kann sein, dass dein Alltag komplett anders als in der Schweiz sein wird, dies ist völlig in Ordnung. Du lebst dieses Leben nur für eine kurze Zeit, du sollst es geniessen und alles machen, was dir gefällt.
Freizeitgestaltung
Auch wenn der Alltag als Austauschschüler*in oft ganz normal ablief, bot die Freizeit viele Möglichkeiten, neue Erfahrungen zu sammeln und Zeit mit Freunden, der Gastfamilie oder bei verschiedenen Aktivitäten zu verbringen.
Ich habe verschiedene Unterthemen erstellt, nach denen ich meine Freizeit gestaltet habe. Sie alle sollen dir ein Bild davon geben, was dich neben der Schule an einem normalen Tag alles erwarten kann.
Sport
Du wirst es immer wieder hören: Die Teilnahme an einem Sportteam ist einer der besten Wege, neue Freunde zu finden und eine gute Zeit zu haben. Falls dies nicht geht oder du das nicht möchtest, kannst du so wie ich ins Gym gehen. Vor allem wenn dieses Gym direkt neben der Schule ist, wirst du sehr viele Leute kennenlernen und kannst auch dort eine sehr gute Zeit haben.
Im YMCA, meinem Gym, gab es nicht nur den Kraftraum, sondern auch ein Basketballfeld. Falls wir genug Leute waren, spielten wir dort auch ein paar Runden Basketball, was eher zum Spass war.
Diese Trainings werden ein bis zwei Stunden deines Tages nach der Schule beanspruchen. Falls du in einem Sportteam bist, hast du ebenfalls an den Abenden und Wochenenden Wettkämpfe. Diese können je nach Sportart ziemlich weit entfernt sein. Dorthin reist du normalerweise mit deinem ganzen Team per Bus.
Ich war in einem Club namens Champions Together, dabei habe ich mit Menschen mit einer Beeinträchtigung zusammengearbeitet. Hier hatten wir während der Schule und an einzelnen Wochenenden Wettkämpfe in verschiedenen Sportarten, wie Basketball, Leichtathletik und Boccia. Ich selbst war hier nicht aktiv, jedoch konnte ich anderen helfen, ebenfalls die Begeisterung für Sport zu finden.
Sonst haben wir auch zu Hause mit vielen Nachbar*innen Spiele wie Baseball, Football und Basketball gespielt. Meine Nachbar*innen hatten einen Basketballkorb, und wir hatten einen grossen Rasen, wobei man alles Mögliche spielen konnte.
Nun habe ich nicht nur Sport selbst ausgeübt, sondern diesen auch geschaut. Mein Gastvater und ich sind Fans derselben Teams, somit war der Fernseher für jedes Spiel besetzt. Aber auch sonst haben wir jeden Sonntag NFL und unter der Woche Fussball sowie Basketball geschaut.
Aktivitäten mit Freunden
Hier kann dies stark variieren, da Jungs und Mädchen nicht immer dasselbe machen. Da ich in den USA aber gemischte Freundesgruppen hatte, kann ich Punkte nennen, die beide ansprechen können.
Treffen bei Freunden zu Hause
Zuerst kannst du dich natürlich bei jemandem zu Hause treffen. Wie ich in einem anderen Kapitel bereits erwähnt habe, wollten meine Gasteltern die Person zuerst kennenlernen, da man in den USA vorsichtiger ist. Bei jemandem zu Hause werden dieselben Dinge wie hier gemacht, man spielt Spiele, Video-Games, schaut Filme oder verbringt sonst Zeit. Falls jemand einen Pool hat, ist das an warmen Tagen immer sehr angenehm.
Gemeinsam essen gehen
Gemeinsam essen zu gehen ist sehr beliebt. Es gab nie einen Tag, an dem man nicht als Gruppe etwas zu essen in einem Fast-Food-Restaurant oder Restaurant geholt hat. Schnell, günstig und lecker sind Chipotle, Taco Bell, Chick-fil-A und Raising Cane’s. Natürlich gibt es noch viele mehr, ich würde dir empfehlen, möglichst früh alle zu probieren, damit du deinen Favoriten voll ausnutzen kannst.
Entertainment und Freizeitangebote
Dann gibt es natürlich auch Entertainment wie Kino, Bowling und Shopping. Was es in der Schweiz weniger gibt und vielleicht mehr auf die USA angepasst ist, sind zum Beispiel Topgolf, Drive-in-Kinos, Arcades, Freizeitparks und vieles mehr. Für einiges muss man länger fahren, für anderes gibt es mehrere Optionen, sodass einem auch bei mehreren Besuchen nicht langweilig wird.
Friday Night Lights
In den USA sind die FNL sehr bekannt, ausgeschrieben „Friday Night Lights”. Dies sind die Footballspiele deiner Schule. Diese beginnen Mitte August und enden je nachdem, wie gut das Team ist, Mitte November. Dies war für mich ein Highlight, da ich den Sport vorher noch nicht so gut kannte. Es war auch eine der besten Zeiten, in denen sich jeder traf, man neue Leute kennenlernen durfte, aber auch mit den vielen Leuten, die man bereits kennt, sprechen konnte. Es gab immer ein Thema, zu dem man sich verkleiden musste, wobei auch wirklich jeder mitgemacht hat. Danach ging man meistens noch zu einer Tankstelle wie Wawa und ass etwas zusammen.
Natürlich gab es auch andere Sportarten wie Basketball, Volleyball und Fussball, diese bekamen jedoch nicht die gleiche Unterstützung wie Football. Ich wollte diese trotzdem erleben und ging zu dem einen oder anderen davon.
Theater und Show Choir
Neben den Sportteams gibt es aber auch Theater, verschiedenste Gesangsgruppen und auch Show Choir, was eine Mischung aus Singen und Tanzen ist. Auch dort sah ich hinein, wobei ich sagen muss, dass das Niveau für dieses Alter sehr hoch war.
Partys und Bonfires
Es gab immer wieder grössere Veranstaltungen wie Partys oder Bonfires. Meine Nachbarin veranstaltete bei schönem, warmem Wetter immer wieder ein Bonfire bei ihr zu Hause. Bei einem Bonfire kommt man zusammen, hat Spass, spielt verschiedenste Spiele und grilliert zum Abschluss S’mores, ein Sandwich aus Keksen und Marshmallows.
Partys gab es ebenfalls, wobei man hier besonders aufpassen sollte. Da man erst mit 21 in den USA Alkohol konsumieren darf, besagen die Regeln der meisten Organisationen, dass man auf keine Party gehen darf, auf der es Alkohol gibt. Bei einigen darfst du hingehen, solange du selbst nichts konsumierst. Dies ist jedoch das kleinste Problem, da es auf diesen Partys auch sehr oft harte Drogen sowie Waffen hat.
Hierzu habe ich eine kleine Geschichte: Nach dem Prom sollte es eine grosse Party geben. Da man solche Gerüchte sofort mitbekommt, wollten Schüler*innen aus anderen Schulen ebenfalls vorbeikommen. Derjenige, der diese Party veranstaltete, wollte dies nicht, worauf mehrere Personen in die Luft schossen. Sei also vorsichtig mit deinen Entscheidungen, die meisten Partys werden von der Polizei aufgelöst, und falls du erwischt wirst, kann das das Ende deines Austausches sein.
Winter
In Virginia schneit es normalerweise sehr selten, doch als ich dort war, hat es im Winter ungewöhnlich oft geschneit. Ich habe mich riesig darüber gefreut. Wir haben im Schnee gespielt, Schneemänner gebaut und sind mit dem Schlitten die Hügel hinuntergefahren. Wegen des vielen Schnees fiel ausserdem oft die Schule aus, und wir hatten dadurch viele freie Tage. Das war einer meiner schönsten Momente im Austauschjahr.
Strand
Da der Strand nicht sehr weit von uns entfernt war, gab es den einen oder anderen Strandtag. Zusammen fuhren wir entweder Richtung Virginia Beach oder zu den Outer Banks. Den Tag verbrachten wir dann am Strand mit Baden, Spielen und Musikhören. Als Abschluss assen wir noch etwas in einem Strandrestaurant, bevor es wieder nach Hause ging.
Wie du siehst, gibt es mehr als genug während deines Austausches zu tun. Falls du mehr über spezielle Anlässe oder Zeiten hören möchtest, findest du mehr unter „Besondere Erlebnisse und Traditionen“. Was du mit wem und wo unternehmen wirst, hängt ganz davon ab, wie stark eure Freundschaft sein wird. Mit näheren Freunden ging man mal auf längere Trips, wobei man mit normalen Schulfreunden mal etwas essen ging.
Freizeit mit der Gastfamilie
In diesem Teil nenne ich kleinere Dinge, die man oft macht. Die speziellen und grösseren Erinnerungen teile ich unter „Besondere Erlebnisse und Traditionen“.
Einkaufen
Vor allem zu Beginn ging ich mit meinen Gasteltern einkaufen. Die vielen verschiedenen Supermärkte waren sehr beeindruckend, ebenfalls kannst du neue Lebensmittel und Aktivitäten entdecken.
Gemeinsames Abendessen
Das gemeinsame Abendessen war immer sehr speziell, da man verschiedenste neue Gerichte kennenlernen konnte. Jeder erzählte von seinem Tag, man unterhielt sich über verschiedenste Themen rund um das Austauschjahr, aber auch darüber, was man als Nächstes unternehmen will. Falls man auswärts essen ging, konnte man ebenfalls neue Restaurants und Gerichte kennenlernen.
Bei uns gab es eine Eisdiele direkt in unserer Nachbarschaft, diese nutzten wir sehr oft aus und genossen die Zeit, da man nie genug davon kriegen konnte. Falls es bei dir einen „Klines” geben sollte, musst du diesen unbedingt ausprobieren.
Filmabende
An warmen Sommerabenden führten wir einen Filmabend im Freien durch, mehrere Familien aus unserer Strasse nahmen ebenfalls teil. Es gab eine grosse Leinwand mit Musikboxen und Beamer. Jeder hatte einen Campingstuhl und seine Decke, in der Hälfte des Films gab es Pizza, die wir im Voraus bestellt hatten.
Auch sonst schauten wir als Familie verschiedenste Filme, wie zum Beispiel Star Wars, da ich diese zuvor noch nie gesehen hatte. Falls es kein Film war, schauten wir Quizshows oder Sportspiele. Es gab ebenfalls kleine Video-Game-Zeiten, in denen wir zusammen ein Spiel spielten.
Brettspiele
Sehr oft hatten wir auch einen Brettspiel– oder Kartenabend. Dabei lernte ich neue Spiele kennen, stellte aber auch ein bis zwei Schweizer Spiele vor. Es gab auch einen Schokoladen-Tasting-Abend, an dem wir Schokolade aus der Schweiz, den USA und England probierten.
Ausflüge
An Wochenenden oder in den Ferien unternahmen wir verschiedenste kleine oder grosse Reisen. Da es um mich herum viel Geschichte gab, lernte ich viel über den Ursprung der US History. Wir unternahmen aber auch sonst lustige Reisen, bei denen ich viel Spass hatte, wie Apple Picking. Zu den grossen Reisen kannst du später ebenfalls noch mehr lesen, da es für mich nach Washington DC und Florida ging.
Videospiele
Mit meinen Gastbrüdern spielte ich am Abend ebenfalls diverse Videospiele. Mit meinem Gastvater konnte ich mich viel über Sport und Autos unterhalten. Meine Gastmutter hatte sehr gerne Pflanzen, wobei ich ihr hin und wieder im Garten half.
Geburtstage
Ebenfalls besuchst du mit deiner Gastfamilie verschiedenste Geburtstage, Feiern oder sonstige Anlässe ihrer Verwandten. Ich hatte sehr viel Glück, da die Grosseltern die nettesten Personen waren, die ich kannte. Sie behandelten mich wie ihre eigenen Enkel, ich bekam Geburtstagsgeschenke, Weihnachtsgeschenke sowie einen kleinen Ferienbatzen. Aber auch sonst wurde ich direkt in die Familie aufgenommen.
Kirche
Was ich nicht erwähnt habe, ist die Kirche. Ich habe sie selbst nie besucht, da sie aber ein grosses Ding in den USA ist, erwähne ich sie trotzdem noch einmal. Es ist nicht nur ein Gottesdienst, es gibt ebenfalls Bible Studies mit vielen Jugendlichen in deinem Alter. Ebenfalls bieten sie Reisen und Ausflüge an, falls du die Kirche besuchst, solltest du da definitiv einen Blick darauf werfen.
Schätze alles, was du mit deiner Gastfamilie unternehmen kannst, die Zeit vergeht schnell, ohne dass man es mitbekommt. Vergiss nicht, diese Leute haben dich aufgenommen, ohne jegliche Gegenleistung zu bekommen. Falls ihr mal unterwegs seid, lade sie also zum Essen ein, zahle ihnen den Tank für eine lange Reise oder koche ihnen etwas aus deinem Land. Vertrau mir, sie werden es sehr wertschätzen.
Was hast du besonders gerne gemacht?
Neue Dinge kennenzulernen, die es in der Schweiz nicht gibt, wie zum Beispiel die FNL. Man lernte so viele neue Freunde kennen, wie ich es mir gar nicht richtig vorstellen konnte.
Ebenfalls fand ich es toll, an den verschiedenen Spirit Weeks sowie an den verschiedenen Footballspiel-Themen mitzumachen und mich zu verkleiden.
Ich esse sehr gerne, somit fand ich es immer toll, wenn ich ein neues Restaurant wie Chipotle ausprobieren konnte, da ich den Hype auf diversen Social-Media-Plattformen gesehen hatte.
Welche Aktivitäten hast du neu ausprobiert?
Von Topgolf hatte ich online bereits viele Videos gesehen, es selber spielen zu können war sehr toll. Ebenfalls lernte ich neue Sportarten wie Football und Baseball kennen, diese im Freien mit vielen anderen zu spielen war super.
Ebenfalls fand ich es toll, die amerikanische Kultur auszuleben und Dinge zu unternehmen, die für Amerikaner*innen etwas komplett Normales sind, aber für mich nicht. Schon nur ein S’more über dem Feuer zu grillieren fand ich toll.
Welche Dinge hättest du ohne Austauschjahr wahrscheinlich nie ausprobiert?
Ich wäre nie einem Schulclub beigetreten. Mein Englisch hat sich um einiges verbessert, sodass ich das C1 von Cambridge machen konnte. Ich hätte die amerikanische Kultur nie so hautnah erleben können. Dinge wie Thanksgiving und Prom wären nur in meiner Vorstellung geblieben, und ich hätte nie gewusst, wie es wirklich ist. Ich hätte nie die typisch amerikanischen Stereotype miterleben können.
Freundschaften und soziales Leben
Neue Freundschaften
Eine der wichtigsten Erfahrungen während meines Austauschjahres war das Kennenlernen neuer Menschen. Durch die Schule, Clubs und gemeinsamen Aktivitäten hatte ich viele Möglichkeiten, neue Freundschaften zu knüpfen. Gerade am Anfang war es wichtig, offen auf andere zuzugehen und selbst Gespräche zu beginnen.
Bei Sportteams oder Clubs setz dich einfach neben eine Gruppe oder einzelne Personen und beginne ein kleines Gespräch. Falls die Person gar nicht interessiert ist, findest du das schnell genug heraus.
Die Chance ist sehr hoch, dass es noch andere Austauschschüler*innen an deiner Schule gibt. Ich war in Kontakt mit denen, die ich kannte, unternommen habe ich aber nicht viel mit ihnen, da ich die Zeit gerne mit Amerikaner*innen verbringen wollte. Der Austausch darüber, wie sich das Jahr für die anderen anfühlt, fand trotzdem statt.
Du kannst Freunde aber auch über deine Gastfamilie oder Nachbar*innen finden. Dies war bei mir ebenfalls der Fall, da ich eine gute Zeit mit meinen Nachbar*innen hatte, dazu aber auch mit Verwandten meiner Gastfamilie, die in der gleichen Stufe waren wie ich.
Freundschaften an der High School
Mit neuen Personen in Kontakt zu kommen ist eher einfach, es ist sehr schwer, nicht mit anderen Leuten ein Gespräch zu beginnen. Diesen Kontakt jedoch aufrechtzuerhalten ist schwieriger, viele haben bereits Freunde, und ein freundliches Gespräch bedeutet für sie etwas anderes als für dich, wenn du niemanden kennst. Hier kann es sich ein wenig falsch anfühlen, du musst aber aktiv sein und, wenn es sein muss, das Gespräch und den Kontakt öfters suchen. Viele sind aber auch sehr an Austauschschüler*innen interessiert und kommen auf dich zu.
Die Freundschaften sind ein wenig anders als hier, viele Freundschaften sind eher oberflächlich und nicht so nah, wie wir es von hier kennen. Dies wirst du vor allem am Anfang zu spüren bekommen, nach einer Zeit gibt es aber eine gute Anzahl an Personen, mit denen du auch eine tiefere Freundschaft schliessen kannst wie hier.
Was du neben der Schule machst, zum Beispiel Clubs und Sportarten, hat einen grossen Einfluss auf deinen Freundeskreis. Mit ihnen hast du automatisch Leute mit gleichen Interessen und verstehst dich automatisch besser mit ihnen. Die Chance, dass eine tiefere Freundschaft entsteht, ist grösser als mit einer Person, mit der du im Unterricht sitzt.
Schulveranstaltungen bieten eine gute Gelegenheit, Kontakte aufrechtzuerhalten und mit mehreren Personen in den Austausch zu kommen. Man lernt Leute kennen, mit denen man sonst nichts zu tun hätte.
Sprachliche Aspekte
Während meines Austauschjahres war Englisch meine tägliche Umgangssprache. Anders als beim Englischunterricht in der Schweiz war ich ständig darauf angewiesen, mich auf Englisch auszudrücken. Dadurch wurde die Sprache ganz selbstverständlich zu einem Teil meines Alltags.
Zu Beginn meines Austauschjahres war es etwas ungewohnt, den ganzen Tag Englisch zu hören und zu sprechen. Besonders bei schnellen Gesprächen oder wenn viele Personen gleichzeitig redeten, hatte ich hin und wieder Probleme, alles zu verstehen. Nach einer Zeit gewöhnt man sich daran, und dein Englisch wird automatisch besser und vor allem flüssiger.
Im Schulunterricht in der Schweiz lernt man das formale und korrekte Englisch. Was du aber schnell merken wirst: Es wird auch sehr oft mit Slang oder Redewendungen gesprochen. Somit lernte ich nicht nur Englisch, sondern auch, wie die Sprache im alltäglichen Leben verwendet wird.
Am Anfang kennst du noch nicht jedes Wort oder sprichst es falsch aus, dies ist kein Problem, da es jedem passiert. Viele Leute helfen dir, das richtige Wort zu finden oder auszusprechen, dadurch konnte ich meinen Wortschatz massiv ausbauen.
Im Laufe meines Austauschjahres bemerkte ich, wie alles flüssiger wurde und es mir einfacher fiel, einfach drauflos zu reden. Ich musste nicht über die einzelnen Wörter oder Satzstellungen nachdenken. Ebenfalls hatte ich meinen Akzent verloren, was meine Gastfamilie richtig gefreut hat.
Die Sprache kann einen Einfluss auf die Beziehungen und Freundschaften mit anderen Personen haben. Am Anfang hatte ich oft eine sprachliche Barriere, da man Wörter nicht kannte oder sie eins zu eins aus dem Deutschen übersetzte, was auf Englisch nicht den gleichen Eindruck ergibt wie hier. Die deutsche Sprache ist sehr direkt, was dazu führen kann, dass einige Dinge als unanständig oder frech angesehen werden.
Langfristige Freundschaften
Wichtig ist zu wissen, dass die Freundschaften, die du schliessen wirst, nicht mit deiner Rückreise enden. Bis heute stehe ich in regelmässigem Kontakt mit meiner Gastfamilie, Freunden und Nachbar*innen. Natürlich wirst du nicht mit jedem in Kontakt bleiben, es ist aber schön zu sehen, dass es trotzdem Freundschaften gibt, die bleiben.
Mit Jugendlichen bleibt man über die sozialen Medien in Kontakt, man wird immer darüber informiert, was gerade in ihrem Leben abläuft. Dies war sehr schön zu sehen, als mein Jahrgang seine Graduation hatte. Mit meinem Gastvater stehe ich regelmässig in Kontakt, wenn es um diverse Sportspiele geht. Ein Videoanruf hier und da gibt es natürlich auch noch.
Ich bin bereits wieder in die USA geflogen, wobei es sehr schön war, jeden wiederzusehen und sich gegenseitig auf den neusten Stand zu bringen. Auch haben mich Leute besucht oder werden mich in der nahen Zukunft besuchen, damit ich ihnen mein Zuhause zeigen kann.
Balance zwischen Schule, Familie und Freizeit
Schule und Hausaufgaben
Das schulische Niveau wird nicht schwierig sein, das Einzige, was man in den USA unterschätzt, ist, wie viele Hausaufgaben und Projekte man bekommt, die auch benotet werden. Geniess deine Zeit, achte aber auch darauf, dass diese nicht vergessen gehen.
Nicht zu viele Aktivitäten
Zu viele Aktivitäten neben der Schule sind ebenfalls nicht das Beste. Es ist verständlich, dass du viele verschiedene Dinge ausprobieren möchtest, vergiss dabei aber nicht, dass die Zeit begrenzt ist. Setze den Fokus auf die für dich wichtigsten Dinge, falls du merkst, dass du noch mehr möchtest, kannst du dies dann immer noch machen.
Die Gastfamilie nicht vernachlässigen
Mit der Zeit findest du immer mehr Freunde und unternimmst auch mehr mit ihnen. Wichtig ist hierbei, dass du deine Gastfamilie nicht vernachlässigst. Spiel ein Spiel mit ihnen oder lade sie zu einem Essen ein, Kleinigkeiten können hier ausreichen. Schau auch, dass du ihre Regeln einhältst, auch wenn du enorm viel Spass unterwegs hast, halte dich an ihre Zeiten und denke nicht, dass du mehr zu sagen hast als sie. Übernimm deinen Teil im Haushalt, auch wenn das mal heisst, nicht mit Freunden essen zu gehen. Die Kommunikation zwischen euch ist enorm wichtig, mit der Zeit wird das Vertrauen grösser, was die Regeln auch etwas lockern kann.
Kontakt zur Familie zu Hause
Du wirst eine super Zeit haben, vergiss aber deine Familie zu Hause nicht, schicke regelmässig Fotos und halte sie auf dem Laufenden, sie sind genauso in dieses Jahr investiert wie du. Auch wenn es verrückt klingt, vereinbare regelmässig Telefongespräche mit ihnen, die Zeit vergeht so schnell, dass du gar nicht merkst, wenn du für eine längere Zeit nichts mehr gehört hast.
Zeit für dich alleine
Neben allem solltest du auch Zeit für dich alleine finden, ich selber konnte es manchmal gar nicht glauben, was ich hier alles erleben durfte.